Dr. med. vet.

Corinna Cornand

Fachtierärztin für Kleintiere

 

 

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Kastration / Sterilisation

 

Wie heißt es denn nun? Kastration oder Sterilisation??

Große Verwirrung herrscht offenbar unter Tierhaltern bei den Begriffen Kastration und Sterilisation. In der Tierärzteschaft ist man nicht wenig erstaunt über diese Diskussion, denn kaum ein Tierarzt hat jemals Sterilisationen an Hunden oder Katzen durchgeführt. Mitunter wurden aber Kastrationen weiblicher Tiere als Sterilisation bezeichnet, weil sich unter Nicht-Medizinern der Begriff Sterilisation für weibliche Wesen generell etabliert hatte. Deshalb verließen Tierbesitzer nicht selten kopfschüttelnd den vermeintlich schusseligen Tierarzt  und beschwerten sich, der wolle doch tatsächlich ein weibliches Tier kastrieren, als könne der nicht einmal Männlein von Weiblein unterscheiden. Viele Tierärzte haben daraufhin die Bezeichnung nicht weiter kommentiert und davon abgesehen, täglich Tierhalter zu korrigieren. In aller Regel werden Katzen und Hunde beiderlei Geschlechts zur Unfruchtbarmachung kastriert, das heißt, es werden die keimproduzierenden Drüsen, also Eierstöcke bzw. Hoden, entfernt.

 

Für Hunde, die unter menschlicher Aufsicht leben, ist eine Unfruchtbarmachung zur Verhinderung ungewollter Vermehrung im Grunde nicht nötig, wenn alle Hundehalter ihrer Aufsichtspflicht nachkommen.

 

Die meisten Halter von Hündinnen entscheiden sich aber aus folgenden Gründen für einen Eingriff: sie wollen:

 

  • Die Läufigkeitserscheinungen wie Blutung, Unruhe, jaulende „Romeos“ vor der Haustür, Einschränkungen im Bewegungsradius der Hündin und ihrer selbst nicht zweimal jährlich hinnehmen

 

  • Die sogenannte Scheinträchtigkeit vermeiden, insbesondere, wenn diese mit Anschwellen und Milchproduktion der Zitzen, Nestbauaktivität, Herumschleppen und Bemuttern von Spielzeug, Unlust, spazierenzugehen und Depression einhergeht. Die Scheinträchtigkeit selbst ist übrigens physiologische, also per se nicht krankhaft. Das Phänomen geht auf den Umstand zurück, dass bei den Vorfahren unserer Haushunde meist nur die „Chefin“ im Rudel das Privileg hatte, Welpen zu gebären und sich die rangniedrigeren Wölfinnen bei der Aufzucht beteiligten. Das erklärt auch, warum sehr dominante Hündinnen weniger zur Scheinträchtigkeit neigen.

 

  • Das Risiko von Gebärmuttervereiterung (irreführend oft als „Gebärmutterkrebs bezeichnet) und Tumoren des Gesäuges bannen.

 

Diese Ziele sind nur durch Kastration zu erreichen. Bei Sterilisation oder Entfernung nur eines statt beider Eierstöcke sind sämtliche genannte Erscheinungen weiterhin zu erwarten. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass (wie bei der Frau) das Entfernen der Eierstöcke bei der Hündin Einfluss auf den Knochenstoffwechsel (Stichwort Osteoporose) hat.

 

Die Nachteile der Kastration der Hündin sollen aber an dieser Stelle auch  nicht unerwähnt bleiben: Hündinnen tendieren zur Fettleibigkeit (der man allerdings mit entsprechender Fütterungsumstellung entgegenwirken kann) und es kann zur Inkontinenz kommen. Letztere Problematik betrifft meist größere Hündinnen und oft Rassen mit sogenannter Beckenblase wie z.B. Dobermann, Rhodesian Ridgeback und Boxer, aber auch Beagle und Cocker Spaniel. Heutzutage entfernen viele Tierärzte nur die Eierstöcke und belassen die Gebärmutter (Ovarektomie statt Ovarhysterektomie). Diese Operationstechnik mindert das Risiko der Inkontinenz, ist aber nur bei Hündinnen mit vollkommen unveränderter Gebärmutter ratsam.

 

Die Kastration von Rüden wird i.d.R. nicht zur Geburtenkontrolle durchgeführt. Im Gegensatz zum Kater ist für den intakten (unkastrierten) Rüden ist das „Nicht-zum-Zuge-kommen“ völlig normal, sofern er im Rudel nicht die Führer-Stellung einnimmt. Nur der Rudelführer kommt in den Genuss gewisser Privilegien, zu denen zweifelsohne das Weitergeben der eigenen Gene gehört. Dementsprechend wird ein Rüde, der nicht in die Rudelführer-Rolle gedrängt wird, auch keine Deck-Ambitionen zeigen. Zumindest nicht, solange der „Rudelführer“ anwesend ist – einen intakten Rüden mit einer läufigen Hündin in einem Raum unbeaufsichtigt zu lassen, sprengt allerdings eindeutig die Grenzen der Impulskontrolle eines Rüden! Vor einigen Jahren wurde die Kastration von Rüden als „Allheilmittel“ gegen vermeintliche Verhaltensstörungen propagiert. Dabei handelte es sich allerdings weniger um Verhaltensstörungen als vielmehr um störendes Verhalten. Aus tierschützerischer Sicht muss genau abgewogen werden, inwiefern ein störendes Verhalten eines Rüden tatsächlich hormongesteuert ist. Häufig wünschen sich Tierhalter schlicht einen leichter zu führenden Hund. Nur, wenn erzieherische Maßnahmen (bitte unter Anleitung eines nachweislich sachkundigen Hundetrainers – Trainer(innen) die von vornherein pauschal die Kastration propagieren, sollte man misstrauen!) nicht zum Erfolg führen oder wenn das störende Verhalten eindeutig testosteronbegründet ist, wie z.B. „Durchbrennen“ bei verlockendem Geruch oder ständige Raufereien mit anderen Rüden, ist die Kastration zur Steigerung der Lebensqualität des betroffenen Hundes anzuraten. Zur Entscheidungshilfe ist die sogenannte „chemische“ Kastration des Rüden ein bewährtes Mittel. Dem Rüden wird ein hormoneller Gegenspieler (medizinisch „Antagonist“) des Testosteron in Form eines kleinen Chip implantiert. Der Wirkstoff des Medikamentes verdrängt das körpereigene Testosteron zunächst vom Rezeptor (sozusagen Andockstelle des Hormons), was zu einem vorübergehenden, meist ca. 2 Wochen andauernden Testosteronüberschuss im Blut führen kann. Während dieser Zeit ist der Rüde möglicherweise ein noch schlimmerer „Rocker“. Danach ist der Rüde für mindestens sechs Monate wie tatsächlich kastriert: die Hoden werden kleiner, Fellveränderungen insbesondere bei Collie, Flat Coatetd Retriever, Setter und ähnlichen Rassen werden sichtbar, der Hund neigt wie ein kastrierter Rüde zu Gewichtszunahme. Das Interesse an Hündinnen erlahmt, der Rüde wirkt auf andere Rüden unter Umständen sexuell attraktiv, das heißt, intakte Rüden versuchen, den „chemisch“ kastrierten Rüden zu besteigen. In seltenen Fällen wird der Rüde inkontinent (im Gegensatz zur Hündin gleich nach Wirkungseintritt des Testosteron-Hemmers). Etwa sechs Wochen (und etwa bis sechs Monate) nach Implantation des „Kastrations-Chip“ ist der Rüde auch nicht mehr zeugungsfähig. Die Verhaltensänderungen beim Rüden – unabhängig davon, ob „chemisch“ oder chirurgisch kastriert – hängen zum einen davon ab, inwieweit das Verhalten überhaupt sexualhormongesteuert ist (Jagdverhalten, auch fahrradfahrerjagen z.B. ist völlig unabhängig von Sexualhormonen), zum anderen davon, inwieweit das Verhalten bereits etabliert ist – ein 5jähriger Rüde wird sein machohaftes Benehmen nicht mehr ablegen, hier kann die Kastration sogar zu häufigeren Raufereien führen, weil die geruchliche Attraktivität des kastrierten Rüden für intakte Artgenossen vom kastrierten „Macho“ als ausgesprochen unangebracht gewertet wird…Die Kastration des Rüden ist keineswegs geeignet, um Rangordnungskämpfe beizulegen. Weder zwischen Mensch und Hund noch zwischen männlichen Hunden in einem Haushalt. Wenn rivalisierende Rüden in einem Haushalt leben, tun wir Menschen gut daran, deren (laut oder leise) ausgefochtene Rangordnung zu akzeptieren. Den unterlegenen Rüden durch gesteigerte Zuwendung zum erneuten Rangkampf zu motivieren oder den überlegenen Rüden zu kastrieren ist der beste Weg, anhaltende und wirklich ernste Kämpfe zwischen den Rüden zu provozieren.

 

 

Die Kastration von Katzen ist ein unschätzbarer Beitrag zum Tierschutz.

Oft gestellte Fragen aus diesem Bereich sind:

 

Wird meine Kätzin sterilisiert oder kastriert?

Die Operation bei der weiblichen Katze besteht im Entfernen der Eierstöcke und somit der keimproduzierenden Drüsen und wird daher medizinisch korrekt Kastration genannt. Sterlisation würde bedeuten, nur die Weiterleitung der Keimzellen (Eier bzw. Samen) zu unterbinden. In Anlehnung an die Humanmedizin, wo aufgrund der Zielsetzung bestimmter Eingriffe (Unfruchtbarmachung) sowie der Bedeutung weiblicher Geschlechtshormone im Knochenstoffwechsel (Stichwort Osteoporose) die Hormonproduktion solange wie möglich ungestört belieb soll, hat sich der Begriff „Sterilisation“ für weibliche Tiere fälschlicherweise in vielen Köpfen festgesetzt.

 

Muss ich meine Kätzin kastrieren lassen? Sie lebt ja nur in der Wohnung!

Unkastrierte Kätzinnen geraten leicht in Dauerrolligkeit (siehe Rolligkeit), ein höchst unangenehmer Zustand für Kätzin und Halter, der einige negative Auswirkungen hat. Es gibt aus medizinischer Sicht keinen Grund, die erste Rolligkeit einer Kätzin oder gar einen ersten Wurf abzuwarten. Aus tierschützerischer Sicht gibt es reichlich Gründe dagegen!

Photo OvarialzystGrVergl US: Eierstockszysten bei einer älteren Kätzin

Und photo AngeberSchnitt US: Größe des Bauchschnittes bei er Katze –Vergleich Zeigefinger

 

Muss ich meinen Kater kastrieren lassen? Er lebt ja nur in der Wohnung!

Diese Frage erübrigt sich meist mit Eintritt der Geschlechtsreife – der Uringeruch eines unkastrierten Katers ist überaus penetrant für die menschliche Nase und lässt sich z.B. von Holzmöbeln nie wieder spurlos entfernen. Selbst wenn der Kater nicht markiert (was auf Dauer unwahrscheinlich ist) und ausschließlich in die Katzentoilette uriniert, wird der Geruch in der gesamten Wohnung (mindestens) wahrnehmbar sein. Männliche Hunde kommen im Rudel nur dann zum Zuge, wenn sie die Chefposition innehaben. Demgemäß ist es für einen Hund eine normale Situation, nicht decken zu können und er kann sich damit gut arrangieren. Ganz anders die Situation beim Kater: hier ist dem Trieb keine durch soziales Gefüge bedingte Grenze gesetzt und dementsprechend frustriert verhält sich ein potenter Kater, dem die Gelegenheit zur Fortpflanzung versagt wird.

 

Wird meine Katze / mein Kater nach der Kastration fett?

Dick wird man, wenn die aufgenommene Kalorienzufuhr den Kalorienverbrauch übersteigt. Eigentlich ganz einfach und allgemeingültig. Die hormonelle Umstellung nach der Kastration begünstigt eine Gewichtszunahme, zudem fällt die Operation zumeist in die Zeit, in der das Körperwachstum langsam abgeschlossen ist und also etwaige überschüssige Energie in Form von Fett als Reserve angelegt wird. Dem kann man aber sehr gut entgegenwirken, und zwar in erster Linie durch Beschäftigung mit der Katze, durch artgerechte Fütterung auch hinsichtlich der Häufigkeit der Futtergabe (Katzen erjagen in der Natur pro Tag durchschnittlich zehn kleine Mahlzeiten) und der Verbindung von Spiel und Futter. Man macht es sich allzu leicht, wenn man die Verantwortung für die körperliche Fitness der Katze auf die Kastration schiebt!

 

Rolligkeit –oder: Ist Liebeskummer eine Krankheit?

Die Rolligkeit der Kätzin ist selbstverständlich keine Krankheit – kann aber durchaus so aussehen!

Zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat (Rasseatzen mitunter später) wird die weibliche Katze erstmals rollig. Nicht selten wird eine rollige Katze von ihren Haltern in die tierärztliche Sprechstunde gebracht, denn die Kätzin robbt oft mit erhobnem Hinterteil umher, rollt sich wild, zeigt weder Appetit noch Spielfreude. Häufig gibt es plötzlich Unstimmigkeiten zwischen vormals friedlichen Mitkatzen, sehr häufig wird im Zuge dieser liebeskummerbedingten Unruhe mindestens eine der im Haushalt lebenden Katzen unsauber, sprich sie uriniert an vom Menschen unerwünschten Stellen.

Der Hintergrund ist der, dass bei Katzen der Eisprung (Ovulation) durch die Begattung ausgelöst wird. Deshalb wird eine rollige Katze, die Freigang hat, ganz sicher nicht leer nach Hause kommen. Bleibt die Bedeckung aus, dann fällt der hohe Spiegel weiblicher Sexualhormone  nicht ab. Die Katze wird „dauerrollig“. Dieser Zustand ist nicht nur äußerst unangenehm für alle Beteiligten, sondern schwächt auch das Immunsystem der betroffenen Kätzin stark. (Schlimmer noch sind übrigens weibliche Marderartige, z.B. Frettchen, dran: diese entwickeln schnell eine hormonbedingte Blutarmut, an der nicht wenige sterben). Die nicht gedeckte geschlechtsreife Kätzin neigt zur Bildung von Eierstockszysten, die zum Teil golfballgroß werden können (der Eierstock selbst ist nur etwa erbsengroß). Aus tierschützerischer Sicht ist die Kastration der weiblichen – genau wie der männlichen -Katze Pflicht. Normalerweise werden bei der Kastration der Kätzin nur die Eierstöcke entfernt, während die Gebärmutter belassen wird. Die Operation ist auch bei rolligen Kätzinnen durchführbar, anders als bei der Hündin besteht bei der Kätzin während der Hitze keine erhöhte Blutungsneigung.