Dr. med. vet.

Corinna Cornand

Fachtierärztin für Kleintiere

 

 

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Schutzimpfungen für Hunde

Als Tierhalter möchte man möglichst genau wissen, was dem eigenen Tier verabreicht wird und warum.

Was sich hinter den Abkürzungen im Impfpass eines Hundes verbirgt? Meist ist dort SHPPL-T zu lesen.

Diese Abkürzungen stehen für die Infektionskrankheiten Staupe, Hepatitis (contagiosa canis), Parvovirose, Parainfluenza, Leptospirose und Tollwut.

Die gute Nachricht für alle genannten Erkrankungen: wir können unsere Hunde durch Impfung wirkungsvoll schützen. Die schlechten Nachrichten sind, dass sämtliche Infektionskrankheiten durch Impfmüdigkeit wieder auf dem Vormarsch sind und dass sie, einmal ausgebrochen, selten überlebt werden und noch seltener geheilt werden können.

Regelmäßig aktualisierte Impfempfehlungen gibt die unabhängige Ständige Impfkommission für Hunde auf der Seite des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (bpt) ( https://www.tieraerzteverband.de/)

 

 

Staupe

ist eine durch ein Virus ausgelöste Erkrankung, die verschieden Organsysteme befallen kann, am häufigsten löst das Virus Erkrankungen der Atemwege und des Nervensystems aus, es kann aber prinzipiell sämtliche Organe befallen. Daher sind die Symptome mannigfaltig und beinhalten unter anderem Nasenausfluss, Augenentzündungen, Husten, Krampfanfälle, Muskelzittern, Durchfall und Erbrechen. Alle Erscheinungsformen der Staupe gehen in der Anfangsphase mit Fieberschüben einher. Die befallenen Organsysteme, zum Beispiel die Atemwege, sind aufgrund der viralen Schädigung oft auch sogenannten Sekundärinfektionen durch Bakterien wehrlos ausgeliefert, was die Symptomatik verschlimmert und die Überlebenschancen verschlechtert. Spätfolgen einer überstandenen Staupeinfektion sind oft das sogenannte „Staupegebiss“, also deformierte Zähne durch Beeinträchtigung des Zahnschmelzes, verhärteter, trockener Nasenspiegel oder Pfotenballen („hard pad disease“) und Krampfanfälle. Nicht nur Hunde, sondern auch Füchse und marderartige (Frettchen) sind empfänglich für das Staupevirus. Die größte Bedeutung kommt allerdings der Übertragung von Hund zu Hund zu. Die Diagnose der Staupe am lebenden Tier stützt sich neben der klinischen Symptomatik und dem Vorbericht (nicht regelmäßig geimpftes Tier, Auslandsherkunft) auf den Erregernachweis aus dem Urin, dem Nasensekret oder dem Bindehautabstrich.

 

Hepatitis conatgiosa canis

(ansteckende Leberentzündung des Hundes) – diese Virusinfektion kann der Staupe ähnlich sehen, geht aber oft mit Leber- und Nierenschädigung einher. Die Leber ist meist geschwollen und das Abtasten des Bauchraumes insbesondere in der Leberregion ist schmerzhaft. Innere Blutungen treten oft durch Leberversagen auf und zeigen sich mitunter durch rötliche Flecken in der Maulschleimhaut („Petechien“) oder durch Gelbfärbung der ansonsten weißen Bereiche der Augen („ikterische Skleren“). Es werden verschiedene Verlaufsformen beobachtet, bei der perakuten Verlaufsform sind zuvor völlig gesund erscheinende Hunde plötzlich von hochgradig gestörtem Allgemeinbefinden (was oft fälschlicherweise eine Vergiftung vermuten lässt) und der Tod kann innerhalb weniger Stunden eintreten. Im Gegensatz zur Staupe könne schon Welpen unter acht Wochen an einer Hcc erkranken, die Ausscheidung infektionsfähiger Erreger über den Urin kann bei der Hcc (so sie denn überlebt wird) über 200 Tage (!) anhalten und der Erreger ist widerstandsfähiger als der der Staupe. Auch bei der Hcc können die oberen Atemwege betroffen sein, zumal das Virus eng verwand ist mit einem der Erreger des Zwingerhustens (siehe unten) und nicht selten gemeinsam mit selbigem auftritt. Typisch für die verzögerte (subakute) Verlaufsform der Hcc ist eine nach anfänglicher Besserung der Symptome plötzlich auftretende, oft einseitige Trübung der Cornea (Hornhaut des Auges).

 

Parvovirose

die durch das canine Parvovirus verursachte Infektionskrankheit tritt zumeist in der gastrointestinalen, also den Magen-Darm-Trakt bereffenden Form auf. Die Hunde zeigen plötzliches Erbrechen, zunächst oft noch wässrig-schleimig, später oft blutig vermischt, zeitlich versetzt treten explosionsartige Durchfälle auf, die schnell blutig-wässrig werden. Die Durchfälle haben einen charakteristischen, süßlichen, leichenartigen Geruch, was daran liegt, das bei dieser schweren Darminfektion Teile der Darmschleimhaut absterben und regelrecht abgeschilfert werden. Das anfänglich hohe Fieber sinkt meist im Zuge der schnellen Austrocknung des Körpers ab, das Virus führt zu einer dramatischen Abnahme der weißen Blutkörperchen, die normalerweise den Organismus schützen. So setzen bakterielle Sekundärinfektionen dem Körper zusätzlich zu. Insbesondere bei Welpen gibt es auch die sogenannte cardiale Form der Parvovirose. Hier verursacht das Virus eine schwere Herzmuskelentzündung. Bei dieser Variante sind die Überlebenschancen noch geringer als bei der gastrointestinalen Form. Das Parvovirus zeichnet sich durch hohe Widerstandfähigkeit aus, der Erreger bleibt in der Außenwelt noch bis zu 6 Monaten und mehr infektiös, die Übertragung kann durch Gegenstände und auch Menschen (die selbst aber nicht erkranken!!) erfolgen. Ein Hund mit Parvovirose muss stationär und zwar zwingend auf Quarantäne-Station behandelt werden. Bei früher Erkennung und intensiver Therapie, die sich meist über mindestens 7-14 Tage hinzieht und in intravenöser Flüssigkeitszufuhr (Infusionstropf), Serumverabreichung (soweit verfügbar), symptomatischer Magen-Darm-Behandlung und Antibiotikumgabe besteht, kann insbesondere ein erwachsener Hund die Infektion überleben. Die Kosten für eine solche Therapie liegen – am Rande bemerkt – bei mindestens 2.000,- (in Worten zweitausend) Euro.Das canine Parvovirus (CPV) ist dem Erreger der Katzenseuche (FCP) eng verwand, Hund und Katze stecken sich aber nicht gegenseitig an.

 

Parainfluenza

das Parainfluenzavirus stellt einen der Erreger des sogenannten Zwingerhusten (auch Canine Laryngotracheitis, Canine Tracheobronchitis) dar. Der begriff Zwingerhusten bezeichnet demnach nicht eine durch einen einzelnen, bestimmten Erreger verursachte Infektionskrankheit, sondern eher einen Symptomkomplex, der insbesondere bei hoher Besatzdichte wie in Tierheimen Tierpensionen aber auch auf Hundeplätzen auftritt. Hauptsächlich verantwortlich für das Auftreten von Atemwegssymptomen wie Nasenausfluss und (meist typisch) bellendem, oft würgendem Husten sind das Canine Parainfluenzavirus und ein Bakterium namens Bordetella bronchoseptica, aber auch Herpesviren und andere Viren sowie Bakterien wie Klebsiellen wurden bei an Zwingerhusten erkrankten Hunden gefunden. Die klassische, reguläre Impfung SHPPL-T enthält den Schutz vor Parainfluenzaviren. Darüber hinaus gibt es einen in die Nase (dies ist nämlich die Eintrittspforte der Erreger) zu verabreichenden Impfstoff, der zusätzlich gegen Bordetella broncheseptica schützt und zudem sehr schnell wirksamen Impfschutz hervorruft. Die intranasale Impfung wird empfohlen z.B. vor Pensionsaufenthalten oder Ausstellungen. Wenngleich der Zwingerhusten unbehandelt schwere Lungenentzündungen hervorrufen kann, bleibt er in den meisten Fällen auf die oberen Atemwege, das heißt Nase, Luftröhre und Bronchen beschränkt, hält sich dort zwar recht lange (mitunter bis zu vier Wochen), ist aber durch die Gabe geeigneter Antibiotika in der Regel wirkungsvoll zu bekämpfen und fordert nur sehr selten Todesopfer. Der Erreger Bordetella bronchoseptica ist übrigens auch von der Katze auf den Hund und umgekehrt übertragbar.

 

Leptospirose

Hierbei handelt es sich um eine bakterielle Infektionserkrankung, die nach seuchenartigem Auftreten im Anschluss an eine im Jahre 1898 in Stuttgart stattgehabte Hundeausstellung auch „Stuttgarter Hundeseuche“ genannt wird. Die Symptome dieser Krankheit können variieren, am häufigsten werden Gelbverfärbungen der Maulschleimhäute und schwere, oft noch nach Jahren zum Nierenversagen führende Nephritiden (Nierenentzündungen) beobachtet.

Die Ansteckung mit Leptospiren erfolgt direkt (Hund zu Hund) oder indirekt z. B. über verseuchte stehende Gewässer insbesondere im Sommer. Es gibt einige Unterarten von Leptospiren, lange Zeit waren die gängigsten und zugleich einzigen, gegen die die Impfung schützte die sog. Serovare leptospira canicola und leptospira icterohaemorrhagiae. In jüngster Zeit (2015) treten vermehrt die Stämme L. pomona, bratislava saxkoebing, sejroe und australis in Erscheinung. Auch in Norddeutschland haben wir schon Erkrankungs- und Todesfälle. Derzeit ist in Deutschland ein Impfstoff gegen 4 der Serovare erhältlich (die sogenannte L4-Impfung). Auch Menschen können an Leptospirose erkranken, es handelt sich also hier um eine sogenannte Zoonose. Der Erreger wird (oft tückischer weise von gesund erscheinenden Hunden) über lange Zeit mit dem Urin ausgeschieden und ist widerstandsfähig genug, um auch über kontaminierte Gegenstände anstecken zu können. Die Diagnose wird anhand von Harn- und Blutuntersuchungen gestellt.

 

 

Tollwut

Im Gegensatz zu den meisten Erregern von Infektionskrankheiten ist das Tollwutvirus für sehr viele Säugetiere (einschließlich Menschen) hochgefährlich. Tollwut tritt auf bei Hunden Katzen, Füchsen, Wölfen, Marderartigen, aber auch bei Fledermäusen und mitunter auch Eichhörnchen und vielen anderen mehr. Tollwut ist nach wie vor eine fast immer tödlich endende Krankheit. Sie ruft eine schwere Gehirnhautentzündung hervor, die klassischerweise (aber nicht immer!) zu hochaggressivem Verhalten führt. Dieses Verhalten wiederum begünstigt die Verbreitung des Tollwut-Virus, welches sich besonders im Speichel findet und somit beim Biss übertragen wird. Der oft gehörte Hinweis, Deutschland sei „tollwutfrei“ sollte niemanden dazu verleiten, die Tollwut-Impfung seines Hundes zu vernachlässigen. Der Status „tollwutfrei“ ändert sich mit jedem Tier, das die Grenze passiert, sei es der Fuchs aus dem Nachbarland oder der Wurf ungeimpfter Hundewelpen im Kofferraum eines innereuropäischen illegalen Tierhändlers. Die Diagnose „Tollwut“ setzt die pathologische Untersuchung spezieller Hirnregionen voraus, derartige Untersuchungen sind nur post mortem, das heißt nach dem Tod, durchführbar. Dieser Umstand führt dazu, dass bei einem Tollwut-Verdacht (auffälliges Verhalten, Fälle von Tollwut in näherer Umgebung) der Gesetzgeber das Recht hat, jedes ungeimpfte tollwutempfängliche Tier sicherzustellen und ggf. zu töten. Tollwut tötet auch den Menschen, ein Transplantationsskandal aus dem Jahre 2005 hat dies wieder einmal in aller Deutlichkeit bewiesen. Sechs Organempfänger hatten von derselben, unerkannt tollwutinfizierten Person Organe erhalten. Ein einziger Mensch überlebte. Er hatte sich Jahre zuvor gegen Tollwut impfen lassen. Die Organspenderin hatte sich in Indien infiziert, auf dem Subkontinent sterben jährlich zehntausende von Menschen an Tollwut. In Indien sind übrigens nicht Füchse, sondern streunende Hunde Hauptüberträger der tödlichen Krankheit. Beim Menschen können über mehrere Monate durchgeführte sogenannte postexpositionelle Impfungen nach einer möglichen Ansteckung lebensrettend sein. Es ist verboten, tollwutverdächtige Tiere zu therapieren.