Dr. med. vet.

Corinna Cornand

Fachtierärztin für Kleintiere

 

 

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Wurmkuren

Hier bitte photo: kampf Umdanny mit US: Danny hat es nicht geschafft-seine Entwurmung hätte 1,80 eu gekostet…

 

Wer jemals mit ansehen musste, wie ein Welpe jämmerlich an Bauchkrämpfen eingeht während ihm die Würmer aus dem Mäulchen kriechen (ich übertreibe leider überhaupt nicht), steht jedweder Anti-Wurmbehandlungs-Diskussion, oft aus Unwissenheit, romantisierter Naturauffassung oder schlicht aus Geiz geführt, vollkommen fassungslos gegenüber.

Hunde sind aufgrund ihrer Leidenschaft für´s Stöbern und ihrer Vorliebe für gammelige Fundstücke in Wald und Flur immer wieder von sogenannten Endoparasiten, also Parasiten, die im Inneren des Körpers ihr Unwesen treiben, befallen. Mutter Natur, die den Wurm offenbar ebenso liebt wie den Hund, hält einige Schmarotzer bereit, die sich (bevorzugt, aber nicht nur!) im Darm des Hundes ansiedeln: Spulwürmer, Bandwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer und Giardien sind die am Häufigsten auftretenden. Mehr und mehr werden auch Lungenwürmer in unsren Breitengraden beobachtet, während Herzwürmer in Nordeuropa bisher nicht auftreten, aber sehr wohl von unseren Vierbeinern als ungewolltes Souvenir aus südlichen Ländern mitgebracht werden können.

 

Ein Wurmbefall kann unter Umständen für den Tierhalter unbemerkt bleiben, oft werden erst bei massivem Befall Wurmteile sichtbar, die Wurmeier sind mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen.

 

Die meisten Mittel zu Bekämpfung von Wurmbefall wirken nicht nur gegen reife („adulte“) Schmarotzer sondern auch gegen deren Entwicklungsstadien wie Eier oder Larven. Zum Teil wandern Parasiten durch verschiedene Organsysteme, bevor sie sich in ihrem Zielorgan ansiedeln, oft sind sie – wie Herzwürmer (Dirofilaria) nur auf dem Weg dahin wirkungsvoll und gefahrlos zu bekämpfen. Eine regelmäßige Entwurmung – mindestens alle 3 Monate je nach Stöberlaune und Kontakt zu Wildtieren – bewahrt nicht nur den eigenen Hund vor massivem Wurmbefall, sonder schützt auch all diejenigen, die auf der Wiese mit hündischen Hinterlassenschaften in Kontakt kommen – das sind nicht nur andere Hunde, sondern auch immermal wieder kleine Kinder. Die Verantwortung für uns Hundehalter ist also groß und es gibt wirklich unangenehme Vertreter unter den Schmarotzern – z.B. den lebensgefährlichen Fuchsbandwurm. Manch Hundehalter traut den Wurmpräparaten nicht, weil der eigene Hund vielleicht ein ganzes Jahr lang keine Wurmtablette bekam, dann hat man eine geben müssen, weil z.B. in einigen Ländern die Einreisebestimmungen eine Entwurmung verlangen (daran kann man erkennen, wie groß die seuchenhygienische Bedeutung dieser Biester ist), und nach der Wurmtablettengabe hatte der Hund Erstmal einen Tag lang tüchtig Dünnpfiff. Nun ist aber die Schlussfolgerung, dass der Hund die Wurmkur nicht verträgt, in 99% der Fälle falsch! Es ist vielmehr so, dass nur bei Vorhandensein von Parasiten im Darm selbige nach Gabe des Mittels absterben und zum Teil mit Karacho in die Außenwelt befördert werden.

 

Wer seinen Hund partout nicht prophylaktisch entwurmen will, der sollte Sammelkotproben untersuchen lassen. Die über 3 Tage gesammelte Kotprobe (wichtig, denn die Ausscheidung von Würmern und Wurmeiern erfolgt diskontinuierlich) sollte in ein Labor eingeschickt werden, weil die dort durchgeführten Untersuchungen genauere Ergebnisse liefern als es regulär in der Tierarztpraxis mit dem sogenannten Flotationsverfahren möglich ist. Aber Vorsicht: auch bei der Sammelkotprobe könne  Wurmeier unentdeckt bleiben! Am Rande sei bemerkt, dass eine solche Kotuntersuchung im Schnitt dreimal so kostspielig ist wie eine Wurmtablette.

 

Bei bestimmten Hunderassen und Hunden aus dem Ausland ist die sorgfältige Auswahl des Wurmpräparates wichtig, da Rasse spezifische Überempfindlichkeiten und unerwünschte Kreuzreaktionen bei Hunden aus südlichen Ländern in seltenen Fällen vorkommen können.

 

Saugwelpen sollten unbedingt am 14ten Lebenstag erstmals und dann im 14-Tages-Rhythmus entwurmt werden,  Mutterhündin ebenfalls, denn die Übertragung von Wurmeiern erfolgt auch über die Milch.

 

Fundierte und ausführliche Informationen zu Parasiten findet man auf der Internetseite des ESCCAP (European scientific counsil companian animal parasites). Diese Seite gibt jeweils den aktuellen Stand der Kenntnis in Sachen Parasiten bei Hund und Katze wider und wird von unabhängigen Wissenschaftlern betrieben.